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Reform der #Entwicklungszusammenarbeit: Warum wir echte Veränderungen brauchen

Das aktuelle Reformpapier des #BMZ betont die Verknüpfung von entwicklungspolitischen Maßnahmen mit wirtschaftlicher Zusammenarbeit – ein wichtiger Ansatz, um Partnerländer auf ihrem Weg zu mehr mehr lokaler Wertschöpfung zu unterstützen. Doch selbst Kenner:innen des deutschen Entwicklungssektors wissen oft nicht, dass es bereits eine „Agentur für Wirtschaft und Entwicklung“ gibt. Seit 2016 existiert sie, und der damalige Bundesminister Gerd Müller betonte in einem Interview: „Für mich ist das nachhaltige Engagement der deutschen Wirtschaft in Entwicklungs- und Schwellenländern entscheidend. Wir brauchen Fairness entlang der Produktion und beim Handel. Insofern bin ich davon überzeugt, dass die Agentur … einen echten Mehrwert schaffen wird."

Das Problem: Statt das „Produkt Wirtschaftliche Zusammenarbeit“ konsequent von den Bedürfnissen der Unternehmen in Partnerländern, Deutschland und Europa her zu denken, bleibt das System in alten, bürokratischen Strukturen verhaftet. Das Schaufenster glänzt – doch dahinter dominieren weiterhin langwierige Prozesse, sektorale Vorgaben und übermäßige Bürokratie.

Die Frage ist also nicht, ob Querverbindungen wichtig sind – sondern warum wir sie nicht endlich konsequent umsetzen. Das ist komplex und lässt sich nicht am Reißbrett lösen. Mein Vorschlag: Eine „regulatory sandbox“, #InnovationSandbox in der auf den bürokratischen Überbau weitgehend verzichtet wird. Hier könnten engagierte Institutionen und Unternehmen neue Formen der Kooperation erproben – agil, praxisnah und ergebnisoffen. Erfolgreiche Ansätze werden schnell skaliert, begleitet durch professionelles Veränderungsmanagement und wissenschaftliche Evaluation.

Wie erlebt ihr die Diskrepanz zwischen Reformanspruch und bürokratischer Realität?

– Was haltet ihr von einer „regulatory sandbox“?

– Würdet ihr mitmachen?

#FutureOfCooperation

Eine scheinbar einfache Frage bringt Führungskräfte in deutschen Umsetzungsorganisationen der Entwicklungszusammenarbeit oft ins Stocken: „Wer ist der Kunde Ihrer Organisation?“ Meine Beobachtung: Je höher die Hierarchieebene, desto schneller und klarer fällt die Antwort aus – „das Ministerium“, also die Quelle der Finanzierung.

Doch wer steht wirklich im Mittelpunkt? Sollten es nicht die Empfänger:innen sein – die Menschen und Institutionen, für die die Zusammenarbeit wirken soll?

In der Praxis spielt diese Perspektive kaum eine Rolle. Und das wird zum Problem: Denn die deutsche Entwicklungszusammenarbeit will sehr vieles gleichzeitig erreichen – Armut und „Fluchtursachen“ bekämpfen, deutsche Unternehmen bei verantwortungsvollen Investitionen unterstützen und den Beitrag von ressourcenarmen Ländern zu globalen öffentlichen Gütern stärken. Der Versuch, diese unterschiedlichen Ziele mit denselben Strukturen und Methoden zu verfolgen, führt zu Widersprüchen, Ineffizienzen – und gefährdet letztlich das System selbst.

Es braucht einen Perspektivwechsel: Weg vom Fokus auf Mittelvergabe in starren bürokratischen Verfahren, hin zu klaren Leistungen und deren überzeugender Vermittlung. Wie das gelingen kann? Darum soll es in den nächsten Beiträgen gehen.

Eine farbenfrohe Illustration zeigt eine Weltkarte im Hintergrund mit dem deutschen Text „Wer ist der Kunde?“ und verschiedenen grafischen Symbolen, die für globale Kommunikation und Menschen stehen.

🔍 #Entwicklungszusammenarbeit im Reality-Check: Warum klare Botschaften und Glaubwürdigkeit jetzt entscheidend sind

Was ist von einem Unternehmen zu halten, das gleichzeitig drei völlig unterschiedliche Zielgruppen ansprechen will – mit einer einzigen, verwässerten Botschaft. Das Ergebnis? Verwirrung, Misstrauen und sinkende Glaubwürdigkeit. Genau dieses Problem hat die Entwicklungszusammenarbeit: Sie balanciert zwischen entwicklungspolitischen Zielen, wirtschaftlichen Interessen und politischer Einflussnahme – und verliert dabei an Klarheit, Wirkung und Vertrauen.

Doch wie kann ein so komplexes Feld wie die Entwicklungszusammenarbeit klare Botschaften vermitteln, wenn die Ziele selbst widersprüchlich sind, Entscheidungen in fernen Bürokratien fallen und die Ergebnisse oft unsichtbar bleiben? Die Antwort liegt nicht nur in besserer Kommunikation, sondern in einer grundlegenden Neuausrichtung – inspiriert von strategischem Marketing, das auf Klarheit, Nähe zu den Zielgruppen und gelebte Ergebnisse setzt.

Drei zentrale Herausforderungen zeigen, warum ein Umdenken überfällig ist:

1️⃣ Widersprüchliche Ziele = Verwässerte Botschaften Wie lässt sich die Unterstützung von Menschen in Konfliktzonen mit der Förderung deutscher Unternehmen und der Vertretung politischer Interessen unter einen Hut bringen? Wenn Ziele im Konflikt zueinanderstehen, wird die Kommunikation unscharf – und Bürger:innen fragen sich: Was wird hier eigentlich erreicht? Die Lösung? Klarheit statt Komplexität: Statt alles gleichzeitig zu wollen, braucht es eine fokussierte Positionierung in klar abgegrenzten Aktivitätsfeldern.

2️⃣ Bürokratie schafft Distanz – und untergräbt Glaubwürdigkeit Entscheidungen werden oft in fernen Ministerien oder Unternehmenszentralen getroffen, während lokale Akteure – die die Bedürfnisse vor Ort am besten kennen – kaum Einfluss haben. Das Ergebnis: Informationsasymmetrien, Ineffizienzen und ein Teufelskreis aus Kontrollen und Misstrauen.

3️⃣ Doch Glaubwürdigkeit entsteht nur, wenn Leistungsversprechen auch eingehalten werden – und das erfordert jetzt konkrete Schritte: Die Entwicklungspolitik muss entwirrt werden, klare und verbindliche Leistungsversprechen in voneinander abgegrenzten Handlungsfeldern definieren und dann Strukturen schaffen, die diese Versprechen auch einlösen können. Hier besteht erheblicher, seit Jahren verschleppter Anpassungsbedarf, besonders wenn es um die Klarheit der Leistungsversprechen – etwa gegenüber der deutschen Wirtschaft – geht. Denn am Ende gilt: Nur wer Versprechen hält, kann langfristig Vertrauen aufbauen.

👇 Die Internationale Zusammenarbeit steht an einem Wendepunkt – jetzt geht es um Klarheit und Mut zur Veränderung. Mit klar abgegrenzten Segmenten, präzisen Botschaften und Strukturen, die ihre Versprechen einlösen, könnte sie wieder Vertrauen gewinnen. Wie dieser Wandel begonnen werden kann, dazu mehr in meinen nächsten Beiträgen.

#Entwicklungszusammenarbeit #InternationalCooperation #FutureOfCooperation #Glaubwürdigkeit #Reform

Das vergangene Jahr hat die #Entwicklungszusammenarbeit (eigentlich besser: #InternationaleZusammenarbeit) durchgeschüttelt. Der gesamte Sektor steht unter massivem Druck: öffentliche Finanzierungen gehen zurück, eine weitere große Regierungsorganisation – USAID – wurde geschlossen.

Erforderliche Veränderungen und eine kritische Diskussionen zu zeitgemäßer und wirkungsvoller Internationaler Zusammenarbeit wurde besonders in staatlich finanzierten Teilen der Branche weitgehend ignoriert. Über die Jahrzehnte hat dieser Teil der Branche sowohl den ernsthaften Bezug zu den Menschen verloren, denen er dienen möchte, als auch zu den Steuerzahlern, die ihn finanziert. Das macht ihn zu einem leichten Ziel für Populisten.

Die neue deutsche Regierung hatte Anfang dieses Jahres beschlossen, ein eigenständiges Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung #BMZ beizubehalten. Dass das BMZ überhaupt noch existiert, ist seit Jahren keine Selbstverständlichkeit mehr. Deutschland gehört zu den letzten Ländern, die ein eigenes Ministerium für internationale Zusammenarbeit haben – und die Unterstützung dafür wird immer brüchiger. Gleichzeitig sind die verfügbaren Mittel stark zurückgegangen. Der Markt für Entwicklungsdienstleistungen schrumpft, und das bedeutet auch: Arbeitsplätze fallen weg.

Es geht also um viel - die Ansätze der vergangenen Jahrzehnte müssten grundlegend überdacht werden. Wir haben zwar noch nicht den politischen Masterplan vom BMZ gesehen, erste Änderung sind allerdings erkennbar. Ob das die letzte deutsche Regierung mit einem solchen Ministerium sein wird, hängt auch davon ab, wie konsequent und wirksam diese Maßnahmen sind.

In den kommenden Wochen werde ich meine Posts zu dem Thema von Mitte des letzten Jahres überarbeiten und erweitern und meine Gedanken zur die dringende Notwendigkeit von Reformen teilen – sowohl auf Deutsch als auch mit englischen Zusammenfassungen.

#FutureOfCooperation

Wolken bilden die Buchstaben BMZ, durch die Licht gegen den dunklen Himmel scheint.

Last year has truly shaken the #InternationalCooperation aka #DevelopmentCooperation industry, which has been complacent and self-referential for decades. The entire sector is under massive pressure: public funding is declining, and another major governmental organisation—USAID—had its doors closed.

Over time, the industry lost touch with both the people it aims to serve and the taxpayers who fund it, making it an easy target for populists.

Still, in Germany, the new government decided last year to keep a standalone ministry for international cooperation, diverging from the trend of integrating such matters into foreign or economic affairs. But it was made clear that the ministry’s approach must change. So far, we’ve yet to see the political masterplan that could prevent this from being the last German government with such a ministry.

Over the coming weeks, I’ll revisit and expand on my mid-year posts, sharing my perspective on the urgent need for reform—both in German and with English summaries.

#FutureOfCooperation #GlobalPartnerships

A cruise ship labeled Development Cruises is stationed in a dry dock with a crane nearby against a partly cloudy sky.

A Year of Reckoning for #DevelopmentCooperation #InternationalCooperation: This year has shaken the development sector to its core. For decades, the industry operated in a self-satisfied bubble, largely disconnected from both the people it aimed to serve and the taxpayers funding it. Now, under immense pressure—shrinking public budgets, the dissolution of major agencies like USAID, and rising populist scrutiny—the sector faces an existential question: How can it remain relevant and effective?

In Germany, the new government made a bold move earlier this year by retaining a standalone ministry for international cooperation, bucking the global trend of merging it into foreign or economic affairs. But the real test lies ahead: Where is the bold new vision to ensure this isn’t the last German government with such a ministry? The much-anticipated masterplan is still missing.

Over the coming weeks, I’ll revisit and expand on my mid-year posts, sharing my perspective on the urgent need for reform—both in German and with English summaries.

#FutureOfCooperation #GlobalPartnerships

A cruise ship labeled Development Cruises is stationed in a dry dock with a crane nearby against a partly cloudy sky.

🌍💱 ADAPT: Transforming Africa’s Trade with Digital Public Infrastructure

Both #Stablecoins and Digital Public Infrastructure (#DPI) are generating global buzz—yet most initiatives focus on national solutions. Now, an ambitious project is combining both, claiming to redefine Africa’s digital future at scale: The African Continental Free Trade Area (AfCFTA) has launched ADAPT, a pan-African initiative in partnership with the IOTA Foundation, Tony Blair Institute, and World Economic Forum. This open-source digital public infrastructure is set to revolutionise cross-border trade by seamlessly integrating identity, data, and finance.

What they want to achieve:

  • Double intra-African trade by 2035, unlocking over $70 billion in annual trade value.
  • Reduce cross-border payment fees from 6–9% to below 3%, saving an estimated $25 billion annually.
  • Cut border clearance times from up to 14 days to under 3 days through digitised, verifiable trade documents.

How It works:

ADAPT will establish a unified system for:

  • Trusted digital identities for businesses and governments.
  • Secure cross-border data exchange, supported by smart contracts and IoT tracking.
  • Interoperable finance, connecting mobile money, banks, and stablecoins like USDT for faster, cheaper settlements.

Pilot phase:

Deployment is said to begin in Kenya, Ghana, and a third country in 2025–2026, with continental expansion by 2035. The initiative references successful pilots in Kenya and Rwanda, where digitalisation has already resulted in reduced clearance times and documentation costs.

In response to steep cuts in foreign aid, #Zambia, #Zimbabwe, and the Democratic Republic of the Congo (#DRC) are significantly boosting their funding for family planning programs. This shift towards domestic financing aims to protect decades of progress in reproductive health and ensure continued access to birth control for millions of women and girls. See article from The Guardian.

  • Zambia is increasing its budget from $4.5m to $7.5m,
  • Zimbabwe is adding $2.25m annually, and
  • the DRC is introducing a $5m annual budget for contraceptives.

This move reflects a broader trend towards self-reliance in healthcare funding, driven by the need to address the fragility of donor-dependent health systems.

The fact that governments are now stepping in to secure essential public services reminds me of the case that Nobel laureate Angus Deaton made against foreign aid: ‘My argument is […] that aid undermines the contract between government and the governed that is essential for successful development.’

Adopting this perspective, we see governments taking responsibility for key public services themselves instead of relying on foreign institutions that also bring their own agenda.

Following Deaton’s argument, international donor structures should not simply be called upon to step in, but rather engage in honest discussions with their partners to change their approach to international cooperation.

Thoughts?

Angus Deaton discussing Easterly’s book „Tyranny of Experts“, with relevant thoughts on the issue.

A woman sits on a bed holding a baby, with a headline about African countries increasing family planning funding.

Connecting the world – but at what cost? 🛰️🌍

Satellite internet is a game-changer for rural and underserved regions, where traditional infrastructure falls short. Almost 10,000 Starlink satellites are already in orbit, delivering fast internet to places that were previously offline. That’s progress.

But here’s the catch: Every day, one to two of these satellites re-enter the atmosphere and burn up. If other mega-constellations launch as planned, we could soon see five satellites crashing back to Earth daily. The aluminum oxide released could alter the upper atmosphere and even impact the ozone layer by 2040.

We’re solving one problem—digital divide—while creating another: a new layer of atmospheric pollution. And with plans for 30,000+ satellites, the risk of a Kessler Syndrome (a cascading collision chain) grows every day.

How do we balance global connectivity with the health of our planet?

tl;dr: Satellite internet bridges gaps, but 5 daily crashes risk our atmosphere. Progress or problem? #DigitalDivide #SpaceDebris #SustainableTech

For more insights, check out the full article (in German).

A digitally enhanced view of Earth from space highlights the African continent with network-like connections and sparkling elements above it.

🚀 Breaking Down the Stack: Why Web3 Payments Can Transform Support in Fragile Contexts

In places hit by war or disaster, financial infrastructure is often broken—or nonexistent. Traditional support faces security risks, high costs, and a lack of transparency. But what if we could deliver assistance that’s secure, traceable, and inclusive, even where banks don’t exist?

Web3 payments can offer a powerful solution. By leveraging blockchain, it can enable fast, transparent transactions, empower communities, and give donors real-time visibility. Yet, success isn’t just about tech—it’s about people, partnerships, and collaboration.

Why break down the stack?

  • Demystify the technology – Help program managers, donors, and practitioners understand what’s needed and why, so they can make informed decisions.
  • Prepare for full-scale deployment – Clarify roles, interactions, and procurement needs to move from pilot to program with transparency and confidence.
  • Ensure nothing is overlooked – From wallets to on/off-ramps, every component must be accounted for to build a system that truly works in the field.

The real challenge ahead? Moving from pilot to full-scale impact. That’s where you come in.

If you’re already involved in similar projects or pilots, let’s share our experiences and refine these models together.

🔗 Read more: Breaking Down the Stack: What It Takes to Implement Web3 Payments for Lasting Impact

#Web3 #HumanitarianTech #DigitalPayments #InnovationForImpact

A flowchart illustrates the setup of typical payment rails based on various financial service modules, like wallets and stablecoin management.