Eine scheinbar einfache Frage bringt Führungskräfte in deutschen Umsetzungsorganisationen der Entwicklungszusammenarbeit oft ins Stocken: „Wer ist der Kunde Ihrer Organisation?“ Meine Beobachtung: Je höher die Hierarchieebene, desto schneller und klarer fällt die Antwort aus – „das Ministerium“, also die Quelle der Finanzierung.
Doch wer steht wirklich im Mittelpunkt? Sollten es nicht die Empfänger:innen sein – die Menschen und Institutionen, für die die Zusammenarbeit wirken soll?
In der Praxis spielt diese Perspektive kaum eine Rolle. Und das wird zum Problem: Denn die deutsche Entwicklungszusammenarbeit will sehr vieles gleichzeitig erreichen – Armut und „Fluchtursachen“ bekämpfen, deutsche Unternehmen bei verantwortungsvollen Investitionen unterstützen und den Beitrag von ressourcenarmen Ländern zu globalen öffentlichen Gütern stärken. Der Versuch, diese unterschiedlichen Ziele mit denselben Strukturen und Methoden zu verfolgen, führt zu Widersprüchen, Ineffizienzen – und gefährdet letztlich das System selbst.
Es braucht einen Perspektivwechsel: Weg vom Fokus auf Mittelvergabe in starren bürokratischen Verfahren, hin zu klaren Leistungen und deren überzeugender Vermittlung. Wie das gelingen kann? Darum soll es in den nächsten Beiträgen gehen.